Darius der Große

 

Dareios I (Darius der Große)

Dareios I. 


(persisch داریوش, [dɔːriˈuːʃ], altpersisch Dārayavahuš, babylonisch Dariamuš, elamisch Dariyamauiš, aramäisch Dryhwš, hebräisch Darjaweš,lateinisch Darius; * 549 v. Chr.; † 486 v. Chr.) oft auch Darius der Große genannt, war Großkönig des persischen Achämenidenreichs, nach eigener Angabe der neunte König aus der Dynastie der Achämeniden. Sein persischer Name bedeutet Das Gute aufrechterhaltend.

Dareios I. gilt neben Kyros dem Großen als der bedeutendste Großkönig des altpersischen Reichs. Zu den Leistungen, die zu dieser Einschätzung beitragen, gehört die Erneuerung der Reichsstrukturen. Seine Verwaltungsreformen wurden noch lange nach dem Ende des Achämenidenreiches als vorbildhaft betrachtet; vielleicht beeinflussten sie sogar die Organisation des Römischen Reiches. Außerdem förderte er die Künste, insbesondere die Architektur. Davon zeugen die Gründung von Persepolis und die Bautätigkeit in anderen Residenzstädten, vor allem in Susa.

Primärquellen

Persische Quellen

Für die Regierungszeit des Dareios gibt es eine Vielzahl archäologischer Quellen. Der Rechtfertigungsbericht in Behistun sowie zahlreiche Inschriften aus dem ganzen Reich zeugen von seinem politischen Wirken. Daneben gibt es in Persepolis, Pasargadae, Naqsh-i Rustam, Susa, Babylon und anderen Orten zahlreiche Ruinen, aus denen Hinweise auf die Verwaltung des Perserreiches zu seiner Zeit gewonnen werden können; am bedeutendsten sind hier die Verwaltungsnotizen aus Persepolis in Form von Tontafeln in elamitischer Sprache.

Griechische Quellen

Die Historien des Herodot, decken die gesamte Regierungszeit des Dareios ab, müssen aber kritisch betrachtet werden. Daneben wird Dareios in dem Drama Die Perser von Aischylos beschrieben, aus der sich das griechische Dareiosbild wie auch möglicherweise die Einstellung zu den Perserkriegen von Seiten des Dareios selbst erahnen lassen. Bei anderen griechischen Autoren finden sich ebenfalls vereinzelte Bemerkungen über Dareios.

Bibel

Im Buch Esra (Kapitel 6, Vers 1) des Alten Testaments werden der Erlass und genaue Anweisungen zum Neubau des Jerusalemer Tempels beschrieben. Seine Vollendung und Einweihung im sechsten Jahr des Dareios (März 515 v. Chr.) werden im Buch Esra (Kapitel 6, Vers 15) erwähnt, damit wird die 70-Jahre-Prophezeiung Jeremias erfüllt. Zwischen Kyros und Dareios wird ein fiktiver Schriftwechsel mit König Ahasveros bzw. Artaxerxes beschrieben (Kapitel 4, Vers 7), dem Enkel Dareios’ I., in dessen Regierungszeit Esra und Nehemia nach Jerusalem kamen. Die großzügige Finanzierung des Tempelbaues bescherte Dareios und seinen Nachfolgern die Unterstützung der jüdischen Priesterschaft.

Die Erwähnung eines Darius im Buch Daniel (Kapitel 6, Vers 29) wird häufig, aber fälschlicherweise auf Dareios I. bezogen. Das Buch Daniel entstand aber erst in der Makkabäerzeit. Dareios I. kann nicht die dort beschriebene Person gewesen sein, da er zum angegebenen Zeitpunkt noch nicht an der Macht war. Deshalb vermutet man, es sei stattdessen Darius der Meder gemeint, der nach der Eroberung Babylons durch das Heer des Persers Kyros II. anstelle des von Belsazar König der Chaldäer wurde.

Jugend

Dareios I. war der Sohn des Hystaspes, der unter den persischen Königen Kyros II. und Kambyses II. Statthalter von Parthien war. Hystaspes entstammte dem persischen Achämenidengeschlecht, dem auch Kyros II. und Kambyses II. angehörten, die sich allerdings selbst nicht als Achämeniden bezeichneten (s. u.). In der persischen Frühzeit sah sich dieses Geschlecht als ein Stammesverband der Perser.

Dareios I. wurde etwa 549 v. Chr. geboren und erhielt wie alle Fürstensöhne eine höfische Ausbildung. Von Kambyses II. wurde er zu seinem persönlichen Lanzenträger erhoben. In dieser Funktion begleitete er ihn auf seinem Feldzug gegen Ägypten.

Der Aufstieg

In Ägypten soll Kambyses II. 522 v. Chr. die Nachricht erhalten haben, dass sich im persischen Kernland, in der Hauptstadt Ekbatana, sein Bruder Bardiya (griechisch: Smerdis) gegen ihn erhoben hatte. Was folgte, ist umstritten: War Smerdis tatsächlich bereits um 523 v. Chr. heimlich ermordet worden, so wusste Kambyses, dass es sich in diesem Fall um eine Usurpation der von ihm als Reichsverweser eingesetzten Mager handelte. Andernfalls war es tatsächlich sein Bruder Bardiya, der sich gegen ihn erhob. In jedem Fall brach Kambyses unverzüglich aus Ägypten auf, um den Aufstand niederzuschlagen, starb jedoch noch während des Rückzugs, vermutlich durch einen Unfall. Herodot deutet auch die Möglichkeit eines Mordanschlags an.

Die Rekonstruktion der Ereignisse wird seit langem kontrovers diskutiert. Die "offizielle" Version, die sich bei Herodot und in Dareios' Tatenbericht findet, ist die folgende:

Dareios beschloss laut eigener Aussage, Kambyses zu rächen. So kehrte er nach Persien zurück und konnte sechs alte Freunde, mit denen er die höfische Erziehung genossen hatte, für den Sturz des „falschen Bardiya“, der angeblich in Wirklichkeit Gaumata hieß und der Bruder des Statthalters Oropastes war, gewinnen. In der nahe Ekbatana gelegenen Festung Sikayawautish traf er auf Gaumata und tötete ihn. Anschließend kehrte er mit seinen Mitverschworenen nach Persien zurück, wo er sich in Pasargadae, der zeremoniellen Hauptstadt des Reiches, zum Großkönig krönen ließ. Als angeblich letzter direkter männlicher Abkömmling der Achämenidenlinie neben seinem Vater Hystaspes und seinem Großvater Arschama I., die beide auf die Königswürde verzichteten, sah sich Dareios als rechtmäßigen Nachfolger des Kambyses. Allerdings stieß diese Proklamation in einzelnen Reichsteilen auf Widerstand, denn Gaumata war bei der adligen Oberschicht und auch beim Volk wegen seiner großzügigen Steuerpolitik sehr beliebt gewesen. Zur weiteren Legitimierung seiner Herrschaft heiratete er eine Tochter des Kyros, Atossa. Womöglich hoffte er, dass sie ihm einen Sohn gebären würde, so dass die Nachfolgefrage geregelt sein würde. Dareios hatte zwar schon einen Sohn, der jedoch von einer mit den Achämeniden nicht verwandten Frau stammte.

Soweit die Version, die sich in den Grundzügen Dareios' eigener Darstellung in der Felsinschrift von Bisutun/Behistun entnehmen lässt. Inzwischen wird die Geschichte des „falschen Bardiya“, die bereits in der Antike in Frage gestellt wurde, von vielen Althistorikern aber vermehrt angezweifelt (Pierre Briant, Fritz Gschnitzer, Robert Rollinger, Alexander Demandt, Maria Brosius und Josef Wiesehöfer). So geht man heute meist davon aus, dass aus dem Lager des Dareios diese Geschichte verbreitet worden sei, um die Umstände seiner Thronbesteigung zu legitimieren; auf diese Weise hat wohl auch Herodot diese Geschichte erfahren und weitererzählt. Besonders auffällig ist, dass von dem Tod des echten Bardiya niemand etwas mitbekommen haben soll; dies wirkt vor allem dadurch unglaubwürdig, dass Bardiya von Kyros die Herrschaft über den gesamten Osten des persischen Reiches übertragen worden war. Dareios behauptet in der Behistun-Inschrift, "Gaumata" habe monatelang auch das nächste Umfeld, einschließlich der Gattin Bardiyas, täuschen können - glaubt man nicht an Zauberei, so erscheint dies unglaubwürdig: Jemand, der wie Bardiya aussah und wie dieser sprach, war wohl auch Bardiya, und nicht Gaumata.

Die Forschung ist sich heute weitgehend einig, dass Dareios nur weitläufig mit Kyros II. und Kambyses II. verwandt war. Kyros II. sah sich selbst als Abkömmling von Teispes und bezeichnete sich entsprechend als Teispide, nie als Achämenide. Die später von Dareios I. vorgenommene Änderung der Genealogie und Zuweisung des Achaimenes als Dynastiegründer diente offensichtlich der Untermauerung seiner Thronansprüche. Eine angebliche Inschrift des Kyros aus Pasargadae, in der sich dieser als Achämenide bezeichnen soll, ist mittlerweile als Fälschung aus der Zeit des Dareios erkannt worden. Letztendlich wirkte sich die Änderung der Genealogie durch Dareios I. auf den ersten Blick zwar nicht entscheidend aus, da auch er wahrscheinlich ein Teispide war (allerdings bezeichnete er sich niemals als solchen). Ohne Achaimenes bestand jedoch der entscheidende Makel, auf keinen eigenen königlichen Vorfahren in direkter Linie verweisen zu können, da Ariaramna I.wohl von Kyaxares II. abgesetzt und sein Herrschaftsgebiet der anderen Teispidenlinie (Kyros I.) übergeben worden war. Die genauen Vorgänge dieser Frühzeit liegen aufgrund der schlechten Quellenlage allerdings im Dunkeln.

Frühe Herrschaft

Nach der Krönung in Pasargadae zog Dareios nach Ekbatana, wo er von Aufständen in Elam und Babylonien erfuhr, die von Anhängern des Gaumata entfacht wurden (sollte der von Dareios Gestürzte der echte Smerdis gewesen sein, so handelte es sich eher um Widerstand gegen den Usurpator Dareios). Der elamische Aufstand konnte im Keim erstickt werden, als der Anführer Aschina in Susa gefangengenommen und hingerichtet wurde. In Babylonien hatte sich Nidintu-Bel unter dem Namen Nebukadnezar III. zum König erhoben, der angeblich von Nebukadnezar und dem Sohn des Nabonid abstammte. Er wurde nach drei Monaten von Dareios, der mit einer Streitmacht nach Babylon gezogen war, abgesetzt und getötet. Während Dareios noch in Babylon war, wurde inBaktrien ein neuer Aufstand durch einen Mann namens Frada entfacht. Der eigentliche Satrap von Baktrien stand jedoch loyal zu Dareios und konnte Frada in die Wüste des heutigen Turkestan vertreiben, wo er später ergriffen und hingerichtet wurde. Zur gleichen Zeit erhob sich in der Persis, dem Stammland der Perser, ein Mann, der ebenfalls behauptete, Bardiya zu sein; in Elam gab es erneute Unruhen. Auch in Medien, Parthien, Assyrien, Ägypten, bei denSattagyden und abermals in Babylonien kam es zu schweren Unruhen und Kämpfen. Gegen Ende des Jahres 522 v. Chr. befand sich damit beinahe das gesamte Perserreich in Aufruhr.

Dareios konnte sich jedoch auf eine loyale Streitmacht verlassen, die von engen Vertrauten angeführt wurde, so dass nach seinen Angaben binnen eines Jahres die Aufstände nacheinander niedergeschlagen wurden. Im September 522 v. Chr. folgten erste Aufstände in Babylon, die von einer kurzen Unterbrechung abgesehen, bis Dezember 521 v. Chr. andauerten.[1] Im Mai 521 v. Chr. hatte sich Nebukadnezar IV. zum neuen König von Babylon ausgerufen und wurde knapp sieben Monate später von Dareios wie vorher Nebukadnezar III. getötet.[1]Insofern bezieht sich Dareios Aussage auf den Zeitraum von seiner ersten bis zur letzten Kampfhandlung. Nach der Ermordung des Gaumata hatte Dareios so nach eigener Aussage insgesamt acht „Lügenkönige“ besiegt. Ende 521 v. Chr. herrschte im Reich wieder Frieden, nur die Grenze im Norden war noch stark bedroht. 517 v. Chr. war auch dieses Gebiet befriedet und die hier ansässigenSaken tributpflichtig gemacht. Die Niederwerfung dieser Aufstände beschreibt Dareios ausführlich in der Behistun-Inschrift.

Außenpolitik

Indien

Nachdem die Herrschaft im Reichsinneren gefestigt war, galt es, möglichen Bedrohungen, die von der Ostgrenze ausgehen konnten, zuvorzukommen. So wurde das Gebiet der Sattagyden endgültig dem Perserreich einverleibt, und persische Truppen stießen bis ins Industal vor, das ebenfalls vollständig unterworfen werden konnte. Als besonders wertvoll für diesen Eroberungsfeldzug erwiesen sich die schon seit längerem unter persischer Herrschaft stehenden Gandharer, die als der tapferste indische Volksstamm galten. Das Industal war nicht nur sicherheitspolitisch interessant. In der fruchtbaren Ebene gab es viele reiche Städte, im Indus selbst wurde Goldstaub gewonnen. Ferner konnte nun unbeschränkter Handel mit dem Inneren des indischen Subkontinents betrieben werden. Ein Ausdruck der wirtschaftlichen Interessen war wohl die Reise des Skylax von Karyanda, der etwa 200 Jahre vor Nearchosdie Küste des persischen Golfes befuhr, um deren Tauglichkeit für die Handelsschifffahrt zu überprüfen. Später umsegelte er auch die arabische Halbinsel bis nach Ägypten.

Libyen und Ägypten

Ägypten war zu Beginn der Herrschaft des Dareios von dem Reich abgefallen und nur mit Mühe wieder zurückerobert worden. Eine bedeutende Rolle spielte hier der bereits von Kambyses eingesetzte Satrap Aryandes. Dareios besuchte 518 v. Chr. persönlich das Land. Dieser Akt wird allgemein als endgültige Niederschlagung des Aufstandes und Einverleibung Ägyptens in das Perserreich angesehen. DieKyrenaika hatte sich im Laufe des Ägyptenfeldzuges des Kambyses den Persern bereits unterworfen, konnte in den Wirren der Jahre 522/21 ihre Unabhängigkeit jedoch zurückerlangen. Aryandes eroberte in einem angeblich äußerst hinterlistigen und brutalen Feldzug die StädteKyrene und Barka und dehnte das Gebiet seiner Satrapie bis an die Große Syrte aus. Wie persische Inschriften belegen, standen auch die nichtgriechischen Bewohner des östlichen Libyens unter persischer Herrschaft.

Thraker und Skythen

Es ist anzunehmen, dass Dareios die Saken trotz ihres Vasallenstatus als eine Bedrohung für die Nordgrenze des Reiches ansah. Sie besiedelten das Gebiet vom Aralsee bis in die heutige Ukraine. Vermutlich sollten die Saken von deren Westgrenze aus angegriffen und umzingelt werden. So wurde 513 v. Chr. ein Reichsaufgebot ausgehoben und ein Feldzug auf das europäische Festland vorbereitet. BeiByzantion wurde, wie eine dort gefundene Inschrift belegt, eine Schiffbrücke über den Bosporus geschlagen. Das Heer setzte auf das gegenüberliegende Thrakien über und brachte, um den Rücken freizuhalten, dieses Land unter persische Herrschaft. Nun bewegte sich die Armee an der Küste des Schwarzen Meeres entlang und setzte mit einer weiteren Schiffbrücke über die Donau auf das Gebiet der Saken über. Die Saken wandten jedoch die Taktik der Verbrannten Erde an und zwangen die Perser zum Rückzug. Die Donaugrenze wurde befestigt und Thrakien somit gesichert. Die Saken blieben jedoch weiterhin eine Bedrohung für das Perserreich.

Griechenland

Hauptartikel: Ionischer Aufstand, Perserkriege

Mit dem Feldzug der Jahre 513/12 v. Chr. kamen die Perser zum ersten Mal seit dem Kleinasien-Feldzug des Kyros enger in Kontakt mit den Griechen. Zwar standen viele von Griechen besiedelte Gebiete des östlichen Mittelmeerraumes unter persischer Herrschaft, aber die Perser interessierten sich recht wenig für dieses Land. Als im Zuge der Unterwerfung Thrakiens auch Makedonien zu einem Vasallen Persiens wurde, glaubten die unabhängigen Griechen, bald selber in das Blickfeld des Großkönigs zu geraten. Athen versuchte dem vorzubeugen, indem es 506 v. Chr. ein Bündnis mit dem Perserreich abschloss. Auf persischer Seite wurde dies als formelle Unterwerfung verstanden. Obwohl die an der kleinasiatischen Küste lebenden ionischen Griechen zahlreiche Privilegien unter den Persern genossen – ihnen wurde unter anderem sogar eine eigene Satrapie zugestanden – erhoben sie sich 500 v. Chr. Die Athener brachen den Bündnisvertrag und sandten militärische Unterstützung. 499 v. Chr. wurde die Hauptstadt der Satrapie Lydien, Sardes, eingenommen und zerstört. Die Perser reagierten mit massiven Gegenschlägen. Auch auf Zypern kam es zu Militäraktionen.

Als Endpunkt dieses „Ionischen Aufstandes“ gilt die Einnahme und Zerstörung der Stadt Milet 494 v. Chr., die als Anführerin in der Revolte galt. Um späteren Unruhen vorzubeugen, wurde 492 v. Chr. eine von Mardonios geführte Strafexpedition nach Griechenland ausgesandt, die jedoch scheiterte. Thrakien und Makedonien, die im Zuge des Ionischen Aufstandes vom Reich abgefallen waren, wurden wiedergewonnen, doch die Expedition gegen Athen scheiterte daran, dass die persische Flotte am Berg Athos in einem Sturm zerschellte. Zwei Jahre später verlief ein erneuter Feldzug unterDatis und Artaphernes zunächst erfolgreich. In der Ägäis konnte die persische Vormachtstellung ausgebaut werden und Eretria wurde zerstört. Das persische Heer landete kurz darauf bei der Ebene von Marathon, wo es eine offene Feldschlacht gegen die Athener herbeiführen wollte. Die Strategie wurde nach mehreren Tagen geändert und Athen sollte mit der Flotte direkt angegriffen werden; als das Heer wieder auf die Schiffe verladen wurde, griffen die Athener unter Führung des Miltiades an und vernichteten einen Teil der persischen Armee. Dann zog es im Eilmarsch nach Athen, womit es eine Kapitulation der Stadt verhindern konnte. Die Perser zogen sich darauf hin zurück.

Man hat dieser Schlacht von Marathon eine welthistorische Bedeutung zugewiesen und als Erfolg in der Vereinigung des freien Abendlandes gegen die orientalische Despotie dargestellt. Inzwischen haben Historiker jedoch argumentiert, dass die Absicht der Perser nur eine Bestrafung der Athener als untreue Verbündete war, und nicht die Unterwerfung Griechenlands. Erst Dareios’ Sohn Xerxes I.unternahm eine großangelegte Invasion des griechischen Festlandes. Trotz des Fehlschlages vor Athen galt die Westgrenze wohl als befriedet, da sich die ionische Küste wieder fest in persischer Hand befand.

Innenpolitik

Verwaltung und Militär

In den frühen Jahren seiner Herrschaft führte Dareios eine großangelegte Verwaltungsreform durch, deren Hauptbestandteil die Einrichtung einheitlicher Provinzen, der Satrapien, war. Umfang und Lokalisierung der einzelnen Satrapien, sowie die Form und Höhe ihrer Abgaben ist unsicher, da die Quellen, die Satrapienliste des Herodot und persische Königsinschriften, weit voneinander abweichen. Ein großer bürokratischer Apparat, der vor allem aus ägyptischen Aufzeichnungen bekannt ist, stand den Satrapen zur Seite. Kanzleisprache war bis in die Regierungszeit des Artaxerxes I.Elamitisch und wurde dann vom Aramäischen abgelöst. Die Ernennung des Satrapen durch den Großkönig und die Tatsache, dass ein solcher Satrap – von wenigen bekannten Ausnahmen abgesehen – das Amt bis zu seinem Tode bekleidete, lässt darauf schließen, dass sein Posten dem eines Unter- oder gar Vasallenkönigs glich. Die Vollmachten eines Satrapen in seiner Provinz waren enorm, und er hatte sich nur vor dem Großkönig zu rechtfertigen, musste diesem aber Heeresfolge und Tributzahlungen leisten. Der Satrap Aryandes führte Herodot zufolge auf eigene Faust Kriegszüge durch und soll auch eigene Münzen geprägt haben. Wie der Großkönig und die höchsten Beamten an dessen Hof besaßen die Satrapen auch eigene Siegel.

Dieses Verhältnis ist dennoch nicht unmittelbar mit dem Lehnsfürstentum des Mittelalters zu vergleichen, da der Großkönig die unbestrittene zentrale Macht ausünbte. So hatte der Großkönig beispielsweise die Möglichkeit, mit einem Reichsaufgebot ein Heer unter seiner persönlichen – oder von ihm persönlich übertragenen – Führung auszuheben. Schon der Name dieses Reichsaufgebotes deutet darauf hin, dass hier Truppenkontingente aus dem gesamten Reichsgebiet – nach einzelnen Ethnien geordnet- ausgehoben wurden. Daneben führte Dareios ein stehendes Heer ein, das die Miliztruppen seiner Vorgänger ablöste. Dieses Heer hatte unter anderem die Aufgabe, die innere Sicherheit – ähnlich wie moderne Polizeitruppen- zu wahren, und in allen größeren Städten gab es Garnisonen. Überdies gab es Verbände, die für Grenzsicherheit zuständig waren. Aus Ägypten sind diese als Söldnerverbände bekannt, die in Grenzstädten stationiert waren. Die königliche Leibwache, unter dem Namen Unsterbliche bekannt, wurde auch im Krieg eingesetzt.

Wirtschaft und Gesellschaft

Des Weiteren wurde ein Straßennetz angelegt, das alle wichtigen Gebiete des Reiches miteinander verband. Von diesen „Königsstraßen“ ist diejenige, die von Ephesos beziehungsweise Sardes nachSusa, eigentlich sogar bis nach Persepolis, führte, die bekannteste, weil Herodot sie in seinen Historien ausführlich beschreibt. Handel und Verkehr wurden auch durch den Brückenschlag über den Bosporus sowie die Vollendung eines Kanals vom Roten Meer zum Nil, den bereits der ägyptischen Pharao Necho II. begonnen hatte, erleichtert.

Unter Dareios wurde auch das Münzwesen reformiert und erstmals eine für das ganze Reich einheitliche Währung, der Dareikos, eingeführt. Dies erwies sich vor allem für den Binnenhandel als förderlich.

Allen Völkern des Reiches wurde die Ausübung ihrer eigenen Sitten und Religionen zugestanden. Einige fühlten sich dennoch benachteiligt, weil sie entweder, wie Ägypten mit der persischen Oberhoheit nicht zufrieden waren, oder weil die Illusion des Fortbestehens ihrer alten Reiche wie Medien, Lydien und Babylonien durch die Zersplitterung ihrer ehemaligen Reichsgebiete in mehrere Satrapien zerstört war. Die Ionier, die unter den Lydern zahlreiche Privilegien genossen und schließlich auch das lydische Königtum „hellenisieren“, also griechisch prägen konnten, hatten diese Macht über den Großkönig nicht. Aus diesem Frust heraus ist vielleicht auch der ionische Aufstand zu verstehen.

Dennoch wurde nicht mit allen Traditionen gebrochen. Die Personalunion des Großkönigs mit dem König von Medien und Babylonien bestand weiter. Dareios ernannte wie schon Kyros und Kambyses seinen Sohn und Kronprinzen Xerxes I. zum König von Babylon. Er selbst führte außerdem weiterhin den Titel eines ägyptischen Pharaos.

Unter Dareios entstand eine Pax Persica, ein „Persischer Frieden“, ein Zustand des inneren Friedens, der durch eine vorsichtige Angleichung der Reichsstrukturen geprägt wurde und in dem das Reich eine sichere, geordnete Einheit besaß. Dies fand Ausdruck darin, dass Dareios sich nicht mehr als „König der Perser“ sondern als „König der Länder und Völker“ darstellte und auf Reliefs der königlichen Paläste die repräsentative Völkerschaften des Reiches als gleichberechtigt darstellte. Einzig in den Abgaben besaßen die Perser Privilegien. Es gab für sie weder einen Satrapen noch mussten sie Tribute an den König zahlen.

Bedrohungen für den inneren Frieden

Fast die gesamte Herrschaft des Dareios hindurch herrschte im Reich Frieden. Allein Ägypten war eine unsichere Provinz. Hier hatte der Satrap Aryandes seine Macht beträchtlich ausgeweitet und soll Herodot zufolge sogar eigenes Münzgeld nach Vorbild des Dareikos geprägt haben. Ob dies als Aufstand gegen Dareios zu betrachten ist, darf bezweifelt werden, da die Satrapen im Allgemeinen sehr viel Macht besaßen und zu späteren Zeiten vermehrt auch in den Provinzen Münzen geprägt wurden. Im Jahr 486 v. Chr. allerdings kam es zu einem offenen Aufstand, der wohl von ägyptischen Kräften gefördert wurde; Aryandes war bereits um 500 v. Chr. gestorben. Diesen Aufstand musste Xerxes, der Nachfolger des Dareios, niederschlagen; Herodot zufolge sah er deshalb zunächst von einer geplanten Invasion in Griechenland ab.

Sieht man von den im nördlichen Grenzbereich des Reiches lebenden Saken, deren Aktivitäten zur Zeit des Dareios nicht bekannt sind, ab, so war der einzige andere Unruheherd zur Zeit des Dareios die ionische Westgrenze. Hier kam es 499 v. Chr. zu dem Aufstand, der als Beginn der Perserkriege gesehen werden kann. Ansonsten war die Lage im Reich jedoch stabil.

Religionspolitik

Dareios führte die Politik des Kyros fort, die jedem Einwohner die freie Religionsausübung gestattete, sofern Ahuramazda als oberste Gottheit akzeptiert wurde. Positive Erwähnung dieser Praxis findet sich im Buch Esra des Alten Testamentes, in dem die angebliche Unterstützung des Neubaus des Tempels in Jerusalem erwähnt wird. Zweifel an der Darstellung sind jedoch angebracht, da der Grieche Xenophon diese Politik erst in der Erziehung des Kyros (Titel auch: Kyrupädie/Cyropädie) um 362 v. Chr. erwähnte. Das Werk stellt keine tatsächlichen historischen Begebungen dar. Inschriften von Dareios selbst, über die Unterstützung des Neubaus, fehlen.

Dareios förderte den Zarathustrismus, wobei unklar bleibt, wie die altpersischen Weisen in dieser Zeit verehrt wurden.[2] Oberster Gott war Ahura Mazda, der neben sich keine anderen Götter duldete. Es wird angenommen, dass Dareios diese Religion von seinem Vater übernommen hat.

Die Förderung des Zarathustrismus wurde vorsichtig durchgeführt. Die Mager blieben die oberste Priesterkaste, und auf Geheiß des Großkönigs wurde auch den iranischen, elamitischen und babylonischen Göttern geopfert. Allein in den Königsinschriften findet sich Ahuramazda als einziger Gott. Es wird angenommen, dass die Statue, die Dareios seiner Frau Artystone errichten ließ, ein Standbild der persischen Muttergöttin Anahita war.

Entweder war Dareios Hinwendung zum Zarathustrismus ein Lippenbekenntnis, oder sie fand gar nicht statt; der Gott Ahuramazda lässt sich auch in vorzarathustrischer Zeit nachweisen. Die Verehrung Ahuramazdas als einzigem Gott nach zarathustrischen Geboten ließ sich nicht durchsetzen. Aus der Zeit des Artaxerxes II. sind offizielle Kulthandlungen zu Ehren der Anahita und des Mithrasnachgewiesen, die beide auch in der Sassanidenzeit Anhänger fanden.

Bautätigkeit

Dareios wollte das Reichszentrum vom medischen Ekbatana und mesopotamischen Babylon in das Stammland, die Persis, verlegen. In deren unmittelbaren Nachbarschaft lag Elam mit seiner alten Königsstadt Susa, die Dareios zu seiner Hauptresidenz ausbaute und die diese Funktion bis zum Ende des Reiches behielt. In der Persis selbst ließ er bei einer älteren Stadt, die Verwaltungszentrum gewesen war, eine Residenz errichten. Die Stadt wurde nach der Sitte, der Hauptstadt eines Landes denselben Namen zu geben wie dem Land, Parsa genannt. Die Griechen nannten sie Persepolis.

Susa

In Susa wurde ein neuer Palastkomplex im Norden der Stadt geschaffen. Eine Terrasse wurde angelegt, auf der eine Empfangshalle (altpersisch Apadana) und ein Palast errichtet wurde. Unter Artaxerxes I. wurde dieser Palast durch ein Feuer zerstört, später aber wieder aufgebaut. Es sind nur Reliefs aus glasierten Ziegeln erhalten geblieben, die heute zum größten Teil im Louvre in Paris stehen.

Persepolis

Die Baumaßnahmen in Persepolis ähnelten denen in Susa. Auch hier wurde ein Apadana auf einer Terrasse errichtet. Daneben wurde ein kleiner Palast, vermutlich zu privaten Zwecken, errichtet. Dieses Bauwerk war jedoch um einiges kleiner als das in Susa. Als drittes Gebäude auf der Terrasse entstand ein Schatzhaus, das noch während der Regierungszeit des Dareios erweitert werden musste. Unterhalb der Terrasse wurden Verwaltungsgebäude errichtet; diese sind bisher jedoch kaum archäologisch erschlossen. Sowohl in Persepolis als auch in Susa wurden die Gebäude von Handwerkern aus dem ganzen Reich errichtet und aus Materialien aus verschiedensten Ländern gebaut. Auf Reliefs an den Treppenaufgängen sind die verschiedenen Völkerschaften des Reiches mit Gaben und Trachten, die typisch für ihre Länder waren, abgebildet.

Pasargadae

Vermutlich noch während der Herrschaft des Kyros verlor Pasargadae die Rolle als Regierungssitz und wurde zur zeremoniellen und wahrscheinlich auch religiösen Hauptstadt des Reiches. Bauten, die vermutlich von Kyros begonnen wurden, wurden von Dareios beendet; zusätzlich wurde ein neuer Palast angelegt. Die Bauweise erinnert an die von Susa und Persepolis. Zwar wurde an einem Gebäude eine Bauinschrift im Namen des Kyros angebracht, aber die Tatsache, dass die hier verwendete Keilschrift erst unter Dareios eingeführt wurde, spricht für sich.

Ägypten

Auch in Ägypten ist eine rege Bautätigkeit Dareios' bezeugt, hauptsächlich im religiösen Bereich. Zahlreiche Tempel wurden während seiner Regierungszeit gebaut bzw. restauriert, darunter die Tempel von Hibis und Qasr el-Ghueda in der Oase Charga, der Ptah-Tempel in Memphis, der Nechbet-Tempel in El-Kab und der Tempel von Busiris. Baumaßnahmen Dareios' lassen sich des Weiteren in Karnak, im Fayyum und in Sais nachweisen. Baumaterial wurde teilweise aus den Steinbrüchen des Wadi Hammamat gewonnen, wo sich Felsinschriften des Dareios finden. Eine bedeutende Leistung ist auch die Fertigstellung eines bereits unter Pharao Necho II. begonnenen 84 Kilometer langen Kanals, der vom östlichen Nilarm über das Wadi Tumilat zum Roten Meer führte und so Persien mit Ägypten verband. Entlang des Kanals wurden Stelen gefunden, die auf Ägyptisch, Altpersisch, Elamisch und Akkadisch beschriftet waren.

Künstlerische und architektonische Entwicklung unter Dareios

Unter Dareios fand auf dem Gebiet von Kunst und Architektur ein Bruch statt. Zwar gibt es aus der Zeit des Kyros und insbesondere des Kambyses nur wenige archäologische Quellen, die wenigen vorhandenen lassen jedoch auf Fortführung örtlicher Traditionen schließen. Ein bekanntes Relief aus der Zeit des Kyros in Pasargadae deutet elamischen Einfluss an. Nur das Grab des Kyros sticht in seiner Form heraus, und es sind keine direkten Vorbilder für diesen Bau bekannt. Unter Dareios wurden bewusst die verschiedensten künstlerischen und architektonischen Stilelemente aus dem ganzen Reich zusammengetragen. Die monumentalen, mit Kanneluren versehenen Säulen der Paläste und öffentlichen Gebäude muten, von dem Baumaterial und der Dimension abgesehen, im Schaft griechisch an, sind allerdings vermutlich nach mesopotamischem Vorbild geschaffen. Die Kapitelle weisen vor allem ägyptische Einflüsse auf. Wie mehrere Wissenschaftler aus dem Bereich der Altorientalistik und auch der Ägyptologie vermuten, ist der Grundriss der Paläste in Persepolis ägyptischen Ursprungs. So fühlten sich bereits die Ausgräber von Amarna bei der Betrachtung der Grundrisse der Paläste an Persepolis erinnert (Gerd Gropp). Dagegen wirkten die Paläste von Persepolis nach Ansicht von Indologen und vermehrt auch von Althistorikern als Vorbild für Paläste in Indien und Bauten in Griechenland.

Wie in der gesamten Geschichte des alten Orient ist auch unter den Achämeniden das Relief die vorherrschende Kunstform. Es begegnet bei Inschriften, an Palastwänden und Treppenaufgängen. Unter den Vorgängern des Dareios war die Reliefkunst vor allem von elamischen Vorbildern geprägt. Unter Dareios zeigen sich deutliche mesopotamische (vor allem assyrische) Einflüsse. Die Reliefs waren bemalt und häufig mit wertvollen Materialien eingefasst; so waren beispielsweise manche Bärte auf den Reliefs in Persepolis aus Lapislazuli. Babylonische Einflüsse zeigen sich vor allem in Reliefs in Susa, die zumindest teilweise, aus der Zeit des Dareios stammen. Die Reliefs in Susa bestehen aus bunten, glasierten Ziegeln, die an die Prozessionsstraße und das Ischtar-Tor in Babylon denken lassen.

Unter Dareios erlebte auch die Skulptur eine Blüte. Kleine und größere Statuetten und Figuren bestanden aus wertvollen Materialien wie Lapislazuli und Elfenbein. Daneben ist eine lebensgroße Statue von Dareios selbst aus Ägypten erhalten, die ihn in elamitischer Tracht und persischen Herrschaftsinsignien zeigt, aber eine Inschrift in ägyptischen Hieroglyphen aufweist. Kleinere Kunstwerke und kunstvolle Gebrauchsgegenstände bestehen aus Edelmetall, vor allem Gold und Silber. Eine Menge solcher Gegenstände wurden im Oxus-Schatz gefunden. Es wurden außerdem wenige Stoffreste und ein größerer Teppich gefunden, die auch auf diesem Gebiet eine hohe Fertigkeit andeuten. 

 

Persönliches Umfeld

Familie

Dareios war der Sohn des Hystaspes, eines Satrapen von Parthien, ein Sohn des Arschama I. – beide Männer waren bei der Thronbesteigung des Dareios noch am Leben. Seine Mutter hießRhodogune. Dareios führt in der Inschrift von Behistun seinen Stammbaum auf den Stammvater Achaimenes zurück. Schon bei dessen Enkel gibt Dareios jedoch eine Trennung von der Linie an, der später Kyros und Kambyses angehörten. Dies lässt darauf schließen, dass Dareios zwar zum persischen Hochadel zählte, mit den Großkönigen Kyros und Kambyses aber nur entfernt verwandt war. Aus diesen Gründen heiratete Dareios bei seiner Thronbesteigung Atossa, eine Tochter des Kyros. Mit ihr hatte er vier Söhne, Xerxes, Achaimenes, Masistes und Hystaspes. Mit einer weiteren Tochter des Kyros, Artystone, hatte er zwei Söhne, Arsames und Gobryas. Aus dem unmittelbaren königlichen Umfeld nahm Dareios noch Parmys, die Tochter des Bardiya zur Frau, mit der er einen Sohn,Ariomardos, hatte. Zusätzlich heiratete Dareios eine weitere Frau aus dem persischen Hochadel, Phaidime, die Tochter seines Mitverschworenen Otanes. Ob und wie viele Kinder aus dieser Ehe stammen, ist nicht bekannt. Schließlich ehelichte Dareios seine Nichte Phratagone. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne, Abrokomas und Hyperantes.

Vor der Thronbesteigung hatte Dareios die Tochter seines späteren Mitverschworenen Gobryas geheiratet. Dieser Ehe entstammten drei Söhne, Artobarzanes, der erstgeborene Sohn des Dareios,Arabignes und Arsamenes. Töchter sind keine bekannt.

Obwohl Artobarzanes als Erstgeborener die Nachfolge für sich beanspruchte, war Xerxes als der erstgeborene Enkel des Kyros der gegebene Thronfolger. Seine Mutter Atossa hatte den größten Einfluss auf die Staatsgeschäfte und auf Dareios selbst. Deshalb lässt Aischylos in seinem Drama Die Perser Atossa als einzige Frau aus dem Königshof auftreten. Herodot behauptet, dass Dareios Artystone am meisten liebte, und ihr zu Ehren ein Standbild anfertigen ließ.

Die „Sieben Perser“

Als Dareios aus Ägypten zurückkehrte, konnte er sich auf die Unterstützung von sechs Adligen verlassen, die später zu den privilegiertesten Männern des Reiches wurden. Dareios muss sie schon von seiner Jugend auf gekannt haben, zum Teil mögen sie auch Verwandte gewesen sein. Otanes (altpersisch Hutana) gehörte zum Hoch-Adel und hatte möglicherweise Zugang zum Königshof desGaumata. Er war Meder und wurde von den Griechen als Stiefbruder des Kyros I. angesehen, was jedoch durch die Behistun-Inschrift, die den Namen seines Vaters als Tukra angibt, widerlegt wird. Daneben gehörten zu den Verschworenen Gobryas (altpersisch Gaubaruwa), der vermutlich einer alten elamischen Adelsfamilie angehörte, Intaphernes (Windafarna), Aspathines (Aspačana), Hydarnes(Widarna) und Megabyzos I. (Bagabuchša). Diese Verschworenen bildeten später mit ihren Familien die Elite des Reiches. Sie bekleideten Ämter, die sonst Verwandten des Großkönigs vorbehalten waren. Bis in das Sassanidenreich ist die Vormachtstellung von sieben Adelsfamilien nachweisbar.

Dareios ehrte die sechs Mitverschworenen auch durch Abbildungen auf königlichen Reliefs. Es sind nicht immer alle abgebildet, doch stets tauchen zumindest einige in der Funktion königlicher Würdenträger auf. Intaphernes, der von Dareios als erster unter den Mitverschworenen namentlich genannt wurde, fiel bald in Ungnade, da er den König störte, als dieser mit einer Frau schlief. Während Intaphernes hingerichtet wurde, blieb seine Familie verschont und behielt ihre privilegierte Stellung. Diese von Herodot erzählte Episode lässt sich durch sorgfältiges Studium der Königsinschriften bestätigen.

Selbstdarstellung

Dareios unterhielt wie kein anderer Achämenidenkönig einen großangelegten Propagandaapparat. Einmalig für die Geschichte des Reiches ist, dass er in seinem gesamten Herrschaftsbereich persönliche Präsenz demonstrierte. Selbst in Thrakien, Ägypten und dem Bosporusraum, also in vom Kernland des Reiches weit entlegenen Ländern, sind Inschriften erhalten. In ihnen präsentiert Dareios sein Reich als unter ihm stehende Einheit. Er stellt sich mit seinem vollen Namen vor und gibt seinem Anspruch Ausdruck, Herrscher aller Länder und Völker zu sein. Dieser Formel erscheint nahezu unveränderlich in allen von ihm in Auftrag gegebenen Inschriften:

Ich bin Dareios der König, Sohn des Hystaspes, ein Achämenide, König der Könige.

Spezifische Übersetzung der Einleitung der Behistun-Inschrift nach H. Koch, Es kündet Dareios der König..., S. 17

Die Inschrift von Behistun wie auch die auf seinem Grab in Naqsh-i Rustam stellt Dareios als Vorbild für jeden Perser, vermutlich für jeden Einwohner des Reiches überhaupt, dar. Dareios verkörpert hier ein persisches Ideal, das sich auch bei Herodot und Xenophon wiederfindet. Besonders hervorgehoben sind Gerechtigkeitssinn und Selbstbeherrschung. Ferner bezeichnet sich Dareios als Meister in allen von einem anständigen Mann geforderten Künsten: Reiten, Bogenschießen und Speerkampf. Nicht zuletzt bezeichnet sich der Großkönig als Feind der Lügner und des Lügens und nennt die am Anfang seiner Herrschaft von ihm bekämpften Usurpatoren folglich auch „Lügenkönige“.

Rezeption

Für die Griechen war Dareios ein Gegner, mit seiner Invasion Griechenlands, die 490 v. Chr. in der Schlacht von Marathon scheiterte, begannen die Perserkriege. Dennoch hat ihn der zeitgenössische griechische Dramatiker Aischylos positiv dargestellt.

Das Bild des Dareios ist vor allem durch sein Wirken als Reichserneuerer und Gegner der Griechen in den Perserkriegen geprägt. Dabei ist auffällig, dass Dareios bei den Griechen nie in einem schlechten Licht erscheint. Die Darstellung des Herodot bleibt vergleichsweise objektiv und neutral. Ereignisse, die Dareios diffamieren könnten, werden oft, wie der Libyenfeldzug anderen Personen zugeschrieben oder wie die Invasion Griechenlands verkürzt dargestellt oder ganz ausgelassen, Letzteres betrifft beispielsweise die Kämpfe um die Herrschaft in den Jahren 522/21 v. Chr.

In dem Drama Die Perser von Aischylos wird Dareios als weiser und ehrenwerter König porträtiert, der den Feldzug seines Sohnes Xerxes aufs schärfste verurteilt.

In der modernen Forschung haben die Erkenntnisse der Archäologie dafür gesorgt, dass Dareios weitgehend positiv betrachtet wird. Heidemarie Koch stellt ihn als toleranten und einzig auf das Wohlergehen seiner Untertanen bedachten Herrscher dar, doch wird diese Einschätzung nur von wenigen Gelehrten geteilt. Andere Historiker sind mit ihrem Urteil zurückhaltender und versuchen wieJosef Wiesehöfer und Pierre Briant die Figur des Dareios auch negativ zu beleuchten, gestehen Dareios aber dennoch eine herausragende Bedeutung und einzigartige Herrschaftsideologie zu. Dareios wird häufig als „der Große“ bezeichnet.

Chronologie

§         549 v. Chr. Geburt des Dareios.

§         525 v. Chr. Dareios begleitet Kambyses II. als königlicher Lanzenträger nach Ägypten.

§         522 v. Chr. Usurpation des Gaumata. Tod des Kambyses. Dareios kehrt nach Persien zurück und lässt sich zum König krönen.

§         522 v. Chr. Dareios wird von Nebukadnezar III. für drei Monate als König von Babylon abgesetzt (Usurpation).[1]

§         521 v. Chr. Dareios wird von Nebukadnezar IV. für sieben Monate als König von Babylon abgesetzt (Usurpation).[1]

§         521 v. Chr. Ende der Aufstände gegen Dareios.

§         519 v. Chr. Sieg über den Sakenherrscher Skunxa.

§         518 v. Chr. Dareios reist nach Ägypten.

§         515 v. Chr. Gründung von Persepolis. Geburt Xerxes I.

§         513 v. Chr. Eroberung der Kyrenaika. Feldzug gegen die Skythen. Eroberung Thrakiens.

§         512 v. Chr. Einführung des Dareikos.

§         507 v. Chr. Bündnis mit Athen.

§         500 v. Chr. Einweihung des Bubastis-Kanals, des ersten Suezkanals.

§         499 v. Chr. Ionischer Aufstand. Zerstörung von Sardes.

§         494 v. Chr. Eroberung von Milet. Ende des Ionischen Aufstandes.

§         492 v. Chr. Gescheiterte Griechenlandinvasion des Mardonios.

§         490 v. Chr. Gescheiterte Griechenlandinvasion des Datis und des Artaphernes.

§         486 v. Chr. Aufstand in Ägypten. Tod des Dareios.

Siehe auch

§         Perserreich

§         Geschichte des Iran

Literatur

Primärliteratur

§         Aischylos: Die Perser. Übersetzt, ediert und herausgegeben von Emil Staiger. Reclam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-000510-8.

§         Herodot: Historien. Übersetzt von August Horneffer, ediert und herausgegeben von Hans-Wilhelm Haussig. Kröner, Stuttgart 1971, ISBN 3-520-22404-6.

Wissenschaftliche Sekundärliteratur

§         Dietz-Otto Edzard: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie. Bd 9. de Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3-11-017296-8, S. 206.

§         Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. (Reihe: Münchner Ägyptologische Studien Bd 49) 2. Aufl. Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2591-6, S. 220-221.

§         Pierre Briant: Darius. Les Perses et l'Empire. Decouvertes Gallimard, Paris 1992, ISBN 2-07-053166-X (Grundlegendes Werk über das Leben des Dareios und den Aufbau seines Reiches. Aufwändig illustriert, auch für Leser mit schwachen Französischkenntnissen empfehlenswert).

§         Maria Brosius: The Persians. An introduction. Routledge, London 2006, ISBN 0-415-32089-5.

§         Alexander Demandt: Darius und der "falsche Smerdis". In: Alexander Demandt (Hg.): Das Attentat in der Geschichte. Berlin/Wien 1996, S. 1 ff.

§         Gerd Gropp: Beobachtungen in Persepolis. In: Archäologische Mitteilungen aus Iran. Hrsg. v. Deutschen Archäologischen Institut Abteilung Teheran. Sonderdruck, Berlin 4. 1971. ISSN 1434-2758(Forschungsanstöße zu der Bedeutung von Persepolis, insb. der vermutl. ägyptischen Einflüsse in der Architektur).

§         Fritz Gschnitzer: Die Sieben Perser und das Königtum des Dareios. Ein Beitrag zur Achaimenidengeschichte und zur Herodotanalyse. Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1977, ISBN 3-533-02598-5 (Vortragsschrift über die Anfänge der Herrschaft des Dareios und die Analyse der hierzu zur Verfügung stehenden Quellen).

§         Walther Hinz: Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden. 2 Bde. Holle, Baden-Baden 1976, (Standardwerk. Grundlage für die neuere Achaimenidenforschung, insb. durch die Auswertung der elamitischen Tontafeln).

§         Heidemarie Koch: Es kündet Dareios der König. Vom Leben im persischen Großreich. von Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1347-0 (Umfassende, aber nicht unumstrittene Darstellung zum achaimenidischen Perserreich mit Hauptaugenmerk auf die Zeit Dareios’ I. und zahlreichen Illustrationen.).

§         Robert Rollinger: Der Stammbaum des achaimenidischen Königshauses, oder: die Frage der Legitimität der Herrschaft des Dareios. In: Archäologische Mitteilungen aus Iran und Turan 30, 1998, S. 155-209.

§         Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-7608-1102-7, S.107-108.

§         Leo Trümpelmann: Zwischen Persepolis und Firuzabad. (Sonderband zur Antiken Welt) Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1414-0.

§         Josef Wiesehöfer: Der Aufstand Gaumātas und die Anfänge Dareios’ I. Diss. Bonn 1978.

§         Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr. Albatros, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96151-3 (Gut geschriebenes Standardwerk zu der Geschichte des alten Persiens).

Historische Romane

§         Hanns Kneifel: Darius der Große. König der Perser. Lübbe, Bergisch-Gladbach 2001, ISBN 3-404-14465-1 (Roman über die Figur des Dareios.).

§         Gore Vidal: Ich Cyrus, Enkel des Zarathustra. (engl. Creation). Goldmann, München 2000, ISBN 3-442-42087-3 (Kritischer Roman über die Zeit des Achaimenidenreiches unter Dareios, Xerxes und Artaxerxes I. mit Darlegung verschiedener Sichtweisen auf das Reich und Studien über benachbarte Kulturkreise).

Einzelnachweise

1.    a b c d Dietz-Otto Edzard: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Bd. 9, de Gruyter, Berlin 2001, S. 206.

2.    Mary Boyce: Achaemenid Religion. In: Encyclopaedia Iranica. Band 1, 1985, S. 426–429 (Fachartikel zur Rolle der Religion unter den Achämeniden).

 

Zusätzliche Informationen