Iranische Sprachen

Iranische Sprachen

Die iranischen Sprachen (gelegentlich auch: iranoarische Sprachen) bilden eine Unterfamilie des indoiranischen Zweigs der indogermanischen Sprachfamilie. Weltweit gibt es circa 150 Millionen Menschen, die eine der etwa 50 neuiranischen Sprachen als Muttersprache sprechen, weitere 30–50 Millionen nutzen eine iranische Sprache als Zweit- oder Drittsprache.

 

Begriff „iranische Sprache“

Der Name „iranische Sprachen“ ist ein Begriff der Sprachwissenschaft – in diesem Sinne verwenden ihn ab 1836 zuerst offenbar der Indologe Christian Lassen[1] und später der Orientalist und Iranist Friedrich von Spiegel, der Eranisch als Bezeichnung bevorzugte[2]. – und bezeichnet eine Sprachgruppe, die mit den indoarischen Sprachen des indischen Subkontinents näher verwandt ist und zusammen mit diesen den indoiranischen oder arischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie bildet. Dieser Begriff ist hergeleitet von dem seit alters her tradierten Begriff neupers. Īrān aus mittelpers. Ērān. Er geht auf altpers. ariya- (=avest. airiia-) aus iran. arya- (=„arisch“, „Arier“) zurück, was weniger einen politischen als primär einen ethnischen Inhalt hat und die Gesamtheit iranischer Sprachen und Völker und deren nicht durch politische Grenzlinien zu markierendes Verbreitungsgebiet bezeichnet.

Da das Adjektiv „iranisch“ heute primär mit gleichnamigen Staat "Iran" in Verbindung gebracht wird, setzte sich Gilbert Lazard, Experte auf dem Gebiet der iranischen Sprachen, seit 1977 konsequent[3] für die Verwendung der Bezeichnung „iranoarische Sprachen“ als analogisches Gegenstück zu "indoarisch" ein.[4] Dabei griff er den Begriff auf, der bereits im 19. Jahrhundert von Robert Needham Cust eingeführt wurde,[5] und auch von den Altorientalisten Max Müller und George Grierson verwendet wurde, sich aber laut Schmitt (1994) nicht durchsetzen konnte.[6] Der Linguist Ahmad Hasan Dani nutzt dennoch den Begriff 'Iranoarisch' und erklärt, dass 'Iranisch' als dessen Kurzform häufiger Verwendung findet.[7] Diese Bezeichnung verdeutliche die historische Stellung der indoiranischen Sprachen strukturell besser, als die gebräuchlichere Bezeichnung iranische Sprachfamilie.

Eine ethno-linguistische Bedeutung des Begriffs ist an einigen Stellen deutlich belegt: Auf Königsinschriften bezeichnen sich Dareios I. (522–486 v. Chr.) und Xerxes I. (486–465 v. Chr.) nicht nur als „Perser“ und „Sohn eines Persers“, sondern auch als „Arier“ (altpersisch Ariya) und „arischen Ursprungs“ (Ariya čiça); die Sassanidenkönige des 3. Jahrhunderts (ab Schapur I.) ließen sich als „König der Könige von Eran und Nicht-Eran“ (mittelpers. šāhān šāh Ērān u Anērān) betiteln.

Sehr wenige Wissenschaftler verwenden heutzutage die Schreibweise „eranisch“. Obgleich dies die lauthistorisch genauere Variante darstellt, hat sich im 20. Jahrhundert in der deutschen Sprache – auch in der Fachliteratur – „iranisch“ eindeutig durchgesetzt.

Die Sprachen und ihre geographische Verbreitung [Bearbeiten]

 

Folgende iranische Sprachen werden von mindestens einer Mio. Menschen gesprochen:

 

Persisch (im weiteren Sinne)   55 bis 70 Mio., mit Zweitsprechern ca. 110 Mio (Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Pakistan, Usbekistan)

West-Persisch   35 bis 40 Mio., mit Zweitsprechern mehr als 50 Mio. (Iran)

Ost-Persisch   20 bis 30 Mio.

Dari   15 Mio. (Afghanistan)

Tadschikisch   4,5 Mio. (Tadschikistan)

Hazara   2,5 Mio. (Afghanistan 2,2 Mio., Iran 300 Tsd.)

Aimaq   650.000 (Afghanistan)

Judeo-Persisch   110.000 (Usbekistan: Buchara, Iran, Israel)

Paschtu   35 Mio. (22,5 Mio. in Pakistan, 12 Mio. in Afghanistan)

Kurmandschi   10 Mio. (Türkei, Nordirak, Nordsyrien, Nordiran, Chorasan und ehemalige UdSSR)

Belutschi   9 Mio. (7,5 Mio. in Pakistan, 1,4 Mio. Iran, 0,2 Mio. Afghanistan)

Sorani (Kurdi)   4 Mio. (Irak, Iran)

Südkurdisch   4 Mio. (Iran)

Luri   3,5 Mio. (Iran, Dialektcluster)

Mazanderani   3 Mio. (Iran, Kaspische Küste)

Gilaki   2,6 Mio. (Iran, Kaspische Küste)

Zazaki   2-3 Mio. (Türkei)

Taleschi   1 Mio. (Iran, Aserbaidschan, Dialektcluster)

Weitere nach der Zahl ihrer Sprecher bedeutende neuiranische Sprachen sind:

Ossetisch   600.000 (Nord-Kaukasus: Georgien, Russland-Ossetien)

Gorani   500.000 (Irak, Iran)

Iranisch-Azari oder Süd-Tati   220.000 (Aserbaidschan, Iran)

Tati   130.000 (Aserbaidschan, Russland)

Wanetsi   100.000 (Pakistan, Afghanistan)

 

Quellen für die Sprecherzahlen: Ethnologue und der unten angegebene Weblink, weiterhin aktuelle Jahrbücher wie Fischer Weltalmanach und das Jahrbuch der Encyclopedia Britannica.

Klassifikation: Übersicht [Bearbeiten]

 

Die Klassifizierung der iranischen Sprachen geschieht primär nach linguistischen, sekundär auch nach geographischen Gesichtspunkten. Eine Übersicht über die heute allgemein anerkannten Zweige des Iranischen und ihre Subklassifikation gibt die folgende Stammbaumliste. Die vier Hauptgruppen – Nordwest, Südwest; Nordost, Südost – werden im nächsten Abschnitt mit allen ihren Sprachen detailliert dargestellt.

Klassifikationsübersicht der iranischen Sprachen

 

Iranisch   60 Sprachen, davon 16     (150 Mio. Sprecher)

Westiranisch   33 Sprachen, davon 5     (115 Mio. Sprecher)

Nordwest-Iranisch

Medisch  

Parthisch  

Kaspisch

Kurdisch-Zentraliranisch oder Kermanisch

Zaza-Gorani

Belutschi

Südwest-Iranisch

Persisch

Luri

Fars

Larestani

Bashkardi

Kumzari

Tat

 

Ostiranisch   27 Sprachen, davon 11     (35 Mio. Sprecher)

Nordost-Iranisch

Avestisch  

Skythisch-Ossetisch

Baktrisch  

Sogdisch-Yagnobi

Choresmisch  

Südost-Iranisch

Pashtu

Munji-Yidgha

Sakisch-Wakhi

Shugni-Roshani-Yazghulami

Sanglichi-Zebaki

Ormuri-Paratschi

Hinweis: Die früher als „Pamir-Sprachen“ bezeichneten Zweige Munji-Yidgha, Wakhi, Shugni-Yazghulami und Sanglichi-Zebaki stellen keine genetische Einheit dar, sondern bilden gleichrangige Unterzweige des Südost-Iranischen. Das Ormuri-Paratschi gehört nach neueren Erkenntnissen zum Südost-Iranischen (siehe CIL), Ethnologue verwendet hier eine veraltete Klassifikation.

 

Klassifikation im Detail

 

Die folgende genetische Klassifikation der iranischen Sprachen basiert auf dem Compendium Linguarum Iranicarum (CIL) und R. Schmitt, Die iranischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart (siehe Literatur). Sie weicht teilweise stark von der in Ethnologue angegeben ab, insbesondere in der Frage des Unterschieds zwischen Dialekt und Sprache (Ethnologue klassifiziert viele Dialekte als separate Sprachen). Die Klassifikation enthält die wichtigsten Dialekte – basierend vor allem auf David Dalby, The Linguasphere Register – und die aktuellen Sprecherzahlen (Stand 2005, zahlreiche geprüfte und verglichene Quellen).

Die überlieferten alt- und mitteliranischen Sprachen sind im Schema ebenfalls (mit Vorbehalt) eingefügt. Dies soll keine Aussage über die direkte Abstammung der neuiranischen Sprachen derselben Untergruppe sein. Sie können auch von einer nicht-überlieferten alt- oder mitteliranischen Sprache abstammen.

Zur Darstellung: Genetische Einheiten werden in Fettdruck angegeben (auch wenn eine Einheit nur aus einer Sprache besteht), die Sprachen in Normalschrift, Dialekte kursiv. Bei Sprachen ohne Angabe der Sprecherzahl gibt es in der Literatur dazu keine verlässlichen Angaben; solche Sprachen haben in der Regel höchstens einige Tausend Sprecher. Zur besseren Gesamtübersicht der Klassifikation wird auf die obige Zusammenfassung der Hauptgruppen verwiesen.

 

Nordwest-Iranisch

Nordwest-Iranisch   24 Sprachen, davon 3     (35 Mio. Sprecher)

Medisch

Medisch   (altiranisch)

Parthisch

Parthisch   (mitteliranisch)

Kaspisch

Gilaki-Mazenderani

Gilaki (2,6 Mio.)   Dialekte: Rashti, Galeshi, Lahijani, Langerudi, Matshiani u. a.

Mazenderani (3 Mio.)   Dialekte: Sari, Baboli, Amoli, Tunekabuni, Shahi, Tshalusi, Velatrui, Shahmirzadi u. a.

Gurgani  

Semnani

Semnani, Sangisari, Sorchei, Lasgerdi (zusammen 50 Tsd)

Taleshi

Taleshi (1 Mio)   Dialekte: Masally, Lerik, Lenkoran, Astara; Vizne, Tularud, Asalem, Shandarman, Masal, Masule, Zide u. a.

Iranisch-Azari

Iranisch-Azari (Iranisch-Tati, Süd-Tati) (220 Tsd.)

Nordwest-Dialekte: Harzandi, Keringani;

Nordost-Dialekte: Shali, Kajali, Hazzarudi, Taromi;

Süd-Dialekte: Takestani, Tshali, Sagzabadi, Eshtehardi u.a.;

Südwest-Dialekte: Cho'ini u.a.;

Südost-Dialekte: Rudbari, Alamuti u. a.

Kurdisch-Zentraliranisch oder Kermanisch

Kurdisch

Kurmandji (Nordwest-Kurdisch) (8 bis 10 Mio.)

Dialekte: Sanjari, Judikani; Urfi, Botani, Bayazidi, Hakkari, Jezire; Aqrah, Dahuk, Amadiyah, Zakhu, Surchi; Qochani, Erzurumi, Birjandi, Alburzi; Herki, Shikaki

Zentral-Kurdisch (Sorani, Kurdi) (4 Mio.)

Dialekte: Arbili, Pishdari, Kirkuki, Khanaqini, Kushnawi, Mukri; Sulaimani, Bingirdi, Garrusi, Ardalani, Sanandaji, Warmawa, Garmiyani; Jafi; Judeo-Kurdisch

Südkurdisch (4 Mio.)

Dialekte: Kolyai, Kermanshahi, Garrusi Sanjabi, Malekshahi, Bayray, Kalhori, Lakki u.a.

Zentraliranisch

Tafreshi   Dialekte: Vafsi, Ashtiani, Kahaki, Amorei; Alviri, Vidari u.a.

Mahallati-Chunsari   Dialekte: Mahallati, Vonishuni, Chunsari

Kashani-Natanzi

Dialekte: Judeo-Kashani, Arani; Qohrudi, Jowshaqani, Abyanei, Keshei, Farizandi, Yarandi, Meymei, Soi, Tari, Natanzi; Abu Zeyd Abadi, Badrudi

Gazi   Dialekte: Gazi, Kafroni, Sedehi, Varzenei; Judeo-Isfahani

Yazdi-Kermani-Nayini   Dialekte: Yazdi, Kermani; Nayini, Anaraki; Ardestani; Zefrei u.a.

Kaviri   Dialekte: Churi, Farvi, Mehrjani u.a.

Sivandi

Zaza-Gorani

Zaza (Zazaki, Kirmanjki, Kirdki, Dimli, 'So Be') (2 Mio.)

Nord-Dialekte: Dersim, Erzincan, Xozat, Varto, Hınıs, Sarız, Kars, Zara (Sivas);

Süd-Dialekte: Bingöl, Elaziğ, Piran, Henı, Siverek, Lice, Kulp, Motki, Kozluk, Sason

Gorani (Gurani, Bajalani, Shabaki, Hawrami, Chichamachu) (400 bis 500 Tsd.)

Dialekte: Gurani ieS: Gawhara, Kandula; Hawramani: Takht, Lahuni; Bajalani: Qasr-e Shirin, Zohab, Bin Qudra, Quratu; Mossul; Shabaki; Sarli u. a.

Belutschi

Belutschi (Baloči): 9 Mio., davon 7,5 Mio Pakistan, 1,4 Mio Iran, 0,2 Mio. Afghanistan

Dialektgruppe Rachshani: Kalati, Panjguri, Sarhaddi inklusive Marw;

Dialektgruppe Sarawani: Sarawan, Bampur, Iranshahr;

Dialektgruppe Lashari: Lashar, Espakeh, Pip, Maskotan, Fanuc;

Dialektgruppe Ketschi: Ketschi, Makrani;

Küstendialekte: Biaban, Nikshahr, Qasr-e Qand, Hudar; Mand, Dasht, Gwadar, Pasni, Ormara, Karatschi;

Bergdialekte (Eastern Hill Dialects): Mari, Bugti u.a.

Südwest-Iranisch [Bearbeiten]

Südwest-Iranisch   9 Sprachen, davon 2     (65 bis 70 Mio. Sprecher)

Persisch

Altpersisch (Achämenidisch)   (altiranisch)

Mittelpersisch (Sassanidisch, Pahlevi)   (mitteliranisch)

Neupersisch (60 Mio., S2 mehr als 50 Mio.)

West-Persisch (40 Mio.)

Dialekte: Qazvini, Mahallati, Hamadani, Kashani, Isfahani, Sedehi, Kermani, Araki, Shirazi, Jahromi, Shahrudi, Kazeruni, Mashadi u.a.

Ost-Persisch, bzw. „Dari“, lokal auch „Tadschiki“, „Hazaragi“ u.a. (20 bis 30 Mio.)

Dialekte: Kabuli, Herati, Khorasani; Darwazi, Tangshewi, Warduji, Dehwari; Kundi, Zangi, Behsud, Yekaulang, Polada, Urusgani, Jaguri, Ghazni, Miradad; Taimuri, Taimani, Zuri, Zainal, Jamshidi, Firozhohi, Maliki, Mizmast u.a.

Judeo-Persisch (110 Tsd.)   Dialekte: Bucharik 50 Tsd., Dzhidi 60 Tsd.

Luri

Luri (3,5 Mio.)   Dialekte: Mamasseni, Boirahmadi-Kuhgalui; Feyli; Bachtiari (Haft-Lang, Cahr Lang); Gioni u.a.

Fars

Fars   Dialekte: Buringuni, Masarmi, Somghuni, Papuni; Ardakani, Kalati, Chullari; Kondazi, Davani; Judeo-Fars

Larestani

Larestani (Lari)   Dialekte: Bastak, Faramarz, Kamioka, Rahbar, Gerash, Bicha, Evaz, Lar, Choni, Arad, Fedaq u.a.

Bashkardi

Bashkardi

Dialekte: Bashkardi ieS; Rudbari, Bandar Abbas, Hormuz; Rudani, Berentini, Minabi; Rameshk, Geron, Darzeh; Sardasht, Angorhan, Biverc, Bishnu; Durkan, Geshmiran, Maric; Shahbavek, Garahven, Piru, Parmont, Gwafr

Kumzari

Kumzari (3 Tsd.)   Dialekte: Musandam, Dibah

Tat (130 Tsd.)   Dialekte: Nord = Judeo-Tat, Süd = Muslim-Tat

 

Nordost-Iranisch

Nordost-Iranisch   9 Sprachen, davon 7     (600 Tsd. Sprecher)

Avestisch

Avestisch (Alt-Avestisch)   (Zuordnung unsicher)

Baktrisch

Baktrisch  

Skythisch-Ossetisch

Skythisch  

Sarmatisch  

Alanisch (Altossetisch)  

Ossetisch (600 Tsd.)   Iron-Dialekte: Tagaur, Kurtat, Allaghir, Tual; Digor-Dialekte: Urux, Mozdok

Sogdisch-Yagnobi

Sogdisch  

Yagnobi (2 Tsd.)

Choresmisch

Choresmisch  

 

Südost-Iranisch

Südost-Iranisch   18 Sprachen, davon 4     (34,5 Mio. Sprecher)

Sakisch

Khotan-Sakisch  

Tumshuqisch  

Pashtu

Pashtu (34,5 Mio.; davon 22,5 Mio. Pakistan, 12 Mio. Afghanistan)

 

Südwest-Dialekte:

Südwest-Afghanisch, Kandahari, Quetta;

 

Südost-Dialekte:

Bannu, Waziri, Kakari, Sherani, Spin-Tor Tarin;

 

Nordwest-Dialekte:

Durrani, Kabuli, Zentral-Ghilzai, Shinwari u.a.;

 

Nordost-Dialekte:

NW-Pakistanisch, Peshawar, Yusufzay-Mohmandi, NO-Ghilzai, Afridi, Bangash, Orakzay

Wanetsi (Waneci) (100 Tsd.)

Munji-Yidgha

Munji (4 Tsd.)   Dialekte: Nord, Zentral, Süd; Mamalgha

Yidgha (6 Tsd.)

Wakhi

Wakhi (30 Tsd.)   Dialekte: Wakhan; Badakhshan; Tashkurgan; Hunza (Gojal), Yarkhun, Yasin, Ishkoman

Shugni-Yazghulami

Shugni-Roshani

Shugni (45 Tsd.)   Dialekte: Baju, Shahdara, Barwoz

Roshani (10 Tsd.)   Dialekte: Roshani ieS, Chufi

Bartangi (3 Tsd.)   Dialekte: Bartang-Ravmed, Basid

Roshorvi (Oroshori) (2 Tsd.)

Sariqoli (16 Tsd.)   Dialekte: Tashkurgan, Vača, Burangsal-Tung

Yazghulami

Yazghulami (4 Tsd.)

Wanji

Wanji  

Sanglichi-Zebaki

Sanglichi-Ishkashmi-Zebaki (2 Tsd.)

Ormuri-Paratschi

Ormuri (1 Tsd.)   Dialekte: Kanigurami, Baraki-Barak (Logar)

Paratschi (0,6 Tsd.)   Dialekte: Shotol, Goculan, Pačagan

Iranische Sprachperioden [Bearbeiten]

 

Man teilt die iranischen Sprachen historisch in drei Perioden ein:

Altiranisch nennt man die iranischen Sprachen, die aus der Zeit vor dem 3. Jahrhundert v. Chr. überliefert sind. Dazu gehören vor allem die mit reicher Textüberlieferung erhaltenen Sprachen Avestisch und Altpersisch (oder Achämenidisch), auch das nur schwach belegte Medische, sowie einige als Vorgängersprachen mitteliranischer Sprachen erschließbare altiranische Sprachen.

Mitteliranisch heißen die iranischen Sprachen, die aus der Zeit vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis zur Islamisierung des Iran im 8. und 9. Jahrhundert überliefert wurden. Dazu gehören Parthisch, Mittelpersisch (oder Sassanidisch), Sogdisch, Choresmisch, Sakisch (Khotan-Sakisch und Tumschuqisch), Baktrisch und die schwach überlieferten Sprachen Sarmatisch, Jassisch und Altossetisch (Alanisch).

Neuiranisch nennt man alle späteren iranischen Sprachen, insbesondere also die, die heute noch gesprochen werden (rund 50 Sprachen mit etwa 190 Mio. Sprechern).

 

Altiranische Sprachen

 

Übersicht

Als altiranische Sprachen bezeichnet man die ältesten der überlieferten iranischen Sprachen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die bis ca. 300 v. Chr. verfassten Texte des Avestischen des „Avesta“-Corpus der Zoroastrier und des Altpersischen der achaimenidischen Königsinschriften.

Für andere, nicht durch Textüberlieferung bekannte Sprachen wie das Medische oder das Skythische lassen sich dagegen nur einzelne Wörter und Namen erschließen; gewöhnlich Formen aus jeweils anderssprachiger Überlieferung, die ausdrücklich einer jener Sprachen zugewiesen werden oder sich aufgrund sprachwissenschaftlicher Kriterien als Fremdelemente in der Überlieferungssprache zu erkennen geben. Aufgrund der zahlreichen mitteliranischen Sprachen geht man davon aus, dass es weitere unbekannte altiranische Sprachen geben muss, die Vorgängerstufen dieser mitteliranischen Sprachen waren.

Das Avestische ist eine Art Kirchensprache der Zoroastrier, während für das Altpersische nur bekannt ist, dass sie die Muttersprache des achaimenidischen Königshaus sein muss. Unklar ist, zu welchem Zweck Urkunden eingemauert oder Inschriften in vom Boden aus unlesbarer Höhe in Felswände gemeißelt wurden – in einer Sprache, die nur wenige Menschen im Reich verstanden.

Die Zeugnisse, die für Nomadenstämme des ukrainisch-südrussischen Steppengürtels wie Skythen, Sarmaten etc. überliefert sind, sind schwer einzuordnen. Der Skythenexkurs Herodots gilt als ältester Bericht über diese altiranischen Völker. Direkte Schriftzeugnisse sind nicht erhalten.

Der Begriff Schwarzes Meer, der gewöhnlich als skythisch gilt, griech. Πόντος Άξεινος aus iran. *Axšaina- „Schwarzes (Meer)“ gehört eindeutig in ein System, das die Himmelsrichtungen symbolisch durch Farbwörter bezeichnet, und deshalb das „nördliche Meer“ meint. Das Volk, welches dieses System verwendete, muss südlich dieses Meeres gewohnt haben. Da die Bezeichnung zuerst während der Achämenidenzeit ebenso für das Rote Meer benutzt wurde, liegt es nahe, iranische Völker als Namensgeber dieser Meere auszumachen.

 

Die Schriften der altiranischen Periode

Das Avesta ist in eigener Schrift, der Avestaschrift geschrieben. Diese wird von rechts nach links geschrieben und bildet Laute recht exakt ab. Sie schreibt Vokale und versucht die Aussprache genau wiederzugeben.

Für das Altpersische als „Sprache des Königs“ wurde eine eigene Schrift entwickelt, die sich an die Keilschrift rein äußerlich anlehnt, indem auch Keile und Winkel verwendet werden. Die von links nach rechts geschriebene Schrift ist jedoch eine eigenständige Neuschöpfung. Das „Alphabet“ besteht aus Worttrennern und 36 Lautzeichen, die vier Gruppen zugeteilt werden können: 1. reine Vokalzeichen (a, i, u), 2. Konsonantenzeichen mit inhärierendem i-Vokal, 3. Konsonantzeichen mit inhärierendem u-Vokal, 4. Konsonantzeichen mit inhärierendem a-Vokal oder bloßem konsonantischen Wert. Sie wurde zuerst von Dareios I. in seiner großen Inschrift am Felsen von Bisotun (Behistun) verwendet. Einige Probleme ergeben sich aufgrund der inkonsequenten Vokal- und Diphthongbezeichnungen und weiteren zahlreichen Mehrdeutigkeiten. Für die Verwaltung oder literarische Zwecke ist diese Schrift kaum verwendet worden. Dazu benutzten die Perser das Aramäische (in der aramäischen Schrift) und das Spätelamische (in einer Variante der echten mesopotamischen Keilschrift geschrieben.)

 

Mitteliranische Sprachen

 

Definition der Periode

Die mitteliranische Periode beginnt im vierten vorchristlichen Jahrhundert. Ihr Ende im achten oder neunten Jahrhundert n. Chr. – teilweise ist noch spätere Verwendung bezeugt – wird mit der Islamisierung Irans nach dem Arabersturm eingeläutet. Danach dominieren neuiranische Sprachen den iranischen Raum. Da gegenüber der altiranischen Zeit ein Bruch hinsichtlich der Schriftverwendung zu beobachten ist, denn die altpersische Keilschrift ging mit den Achaimeniden unter, lassen sich als mitteliranische Sprachen jene bezeichnen, deren schriftliche Verwendung und Überlieferung in nach-achaimenidischer, jedoch vor-islamischer Zeit einsetzt. Dazu gehören Sprachformen, die sekundär in Iran verwendeten Schriften wie der manichäischen, nestorianisch-syrischen oder arabischen Schrift geschrieben sind.

 

Schwach belegte mitteliranische Sprachen

Die zahlreichen sarmatischen, alanischen und verwandten Stämme, die nördlich des Kaukasus sowie des Schwarzen und des Kaspischen Meeres siedelten, haben kaum direkte Sprachzeugnisse hinterlassen. Am ehesten greifbar ist für die Forschung bislang das iranische Namengut der kaiserzeitlichen griechischen Inschriften aus den Griechen-Kolonien entlang der Schwarzmeernordküste – vom 4. Jahrhundert v. Chr. an sind Sarmaten in diesen Raum eingedrungen –, zu dem weitere Namen (Personen, Stammes- und geographische Namen) sowie Wörter aus literarischer oder inschriftlicher Überlieferung in einer Vielzahl von Sprachen und schließlich moderne toponomastische Fortsetzer sowie Lehnwörter (v. a. die aus dem Alanischen im Ungarischen) hinzutreten.

Den Alanen sind auch zwei in griechischer Schrift geschriebene Texte zu verdanken: zum einen die alanische („altossetische“) Inschrift einer Grabstele vom Ufer des Großen Zelentschuk (eines Kuban-Nebenflusses) etwa aus dem 10. bis 12. Jahrhundert n. Chr., zum anderen zwei Verse im Epilog zur „Theogonie“ des Byzantiners Johannes Tzetzes (Mitte des 12. Jahrhunderts).

Neben diesen durch Textüberlieferung fassbaren mitteliranischen Sprachen muss es weitere Sprachen und Dialekte gegeben haben. So hat nach Angaben indischer Quellen im Osten Afghanistans das Volk der Kambojas gewohnt, für deren Sprache indische Grammatiker auch einzelne Formen zitieren, die darauf hindeuten, dass dies eine iranische, genauer: eine ostiranische Sprache gewesen ist. Über die Sprache der Parner, die neben weiteren Sprachen oder Dialekten wie „Mittelmedisch“, deren Existenz man annehmen muss, die jedoch höchstens indirekt erschlossen werden können, sagt Iustinus: „sermo his inter Scythicum Medicumque medius et utrimque mixtus“ (41,2,3), sie sei ein Sprachgemisch aus Skythisch (d. h. Sakisch) und Medisch.

 

Durch Textkorpora bezeugte mitteliranische Sprachen

Durch teilweise umfangreiche Textkorpora sind folgende mitteliranischen Sprachen bezeugt:

West-mitteliranische Sprachen

Parthisch

Mittelpersisch

Ost-mitteliranische Sprachen

Sogdisch

Choresmisch

Baktrisch

Sakisch in den Formen Khotan-Sakisch und Tumschuqisch

 

Ostiranische Besonderheiten

Die ostiranische Gruppe ist in mancherlei Hinsicht wesentlich konservativer als die westiranische, insbesondere insofern, als die Auslautsilben nicht geschwunden sind. Infolgedessen sind auch Morphologie und Syntax insgesamt auf einem älteren Stand stehengeblieben, da im Nominal- und Verbalsystem teilweise eine weitaus größere Vielfalt von Formenkategorien erhalten geblieben ist. Andererseits aber hebt sich das Ostiranische vom Westiranischen deutlich durch Neuerungen ab, insbesondere in der Phonologie.

Eine Vielzahl von Unterschieden in Einzelzügen lässt das Ostiranische als recht uneinheitlich erscheinen. Gleichwohl zeichnen die exklusiven Neuerungen das Ostiranische als eine eigenständige, zusammengehörige Sprachgruppe aus, deren Binnengliederung in Süd- und Nordostiranisch allerdings erst auf der neuiranischen Entwicklungsstufe greifbar wird, da keine als südostiranisch zu klassifizierende Sprache in älterer Zeit bezeugt ist.

 

Die Schriften der mitteliranischen Periode

Neben der genannten manichäischen, nestorianisch-syrischen und arabischen Schrift, sind vier der sechs bezeugten mitteliranischen Sprachen durch einander ähnliche, gemeinsam aus dem aramäischen Alphabet entstandene Schriftsysteme gekennzeichnet: Parthisch, Mittelpersisch, Sogdisch und Choresmisch bewahren die unter der Achaimenidenherrschaft gebildete Zusammengehörigkeit, während das Baktrische größtenteils eine lokale Variante des griechischen Alphabets und das Khotan- und Tumschuqsakische zentralasiatische Varianten der indischen Brahmi-Schrift eingeführt haben. Aramäische Schrift und Sprache, die als Mittel der achaimenidischen Reichsverwaltung über das gesamte Reich verbreitet waren und die sich insbesondere in vorher schriftlosen Reichsteilen festgesetzt haben, blieben mangels einer brauchbaren Alternative auch in den größeren und kleineren Nachfolgestaaten dieses Reiches in Verwendung. Dabei vollzog sich allerdings in vielfacher Hinsicht ein kontinuierlicher Wandel, für den ausschlaggebend war, dass in diesen kleineren Staatswesen hauptsächlich Übersetzer nur für ein einziges Sprachenpaar, Aramäisch und die jeweilige iranische Sprache, benötigt wurden. Nach und nach lösten iranische Muttersprachler die Aramäer ab, so dass die niedergeschriebenen Texte zunehmend mit iranischen Wörtern durchsetzt wurden und die weiterhin verwendeten aramäischen Formen mit der Zeit zu konventionell gebrauchten Symbolen erstarrten.

 

Allgemein

Rüdiger Schmitt (Hrsg.): Compendium Linguarum Iranicarum. Reichert, Wiesbaden 1989, ISBN 3-88226-413-6 (Kurzzitat CIL; eine umfassende Darstellung aller iranischen Sprachgruppen in Geschichte und Gegenwart, geschrieben von einem internationalen Gremium anerkannter Iranisten).

Rüdiger Schmitt: Die iranischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart. Reichert, Wiesbaden 2000, ISBN 3-89500-150-3 (aktuelle Kurzfassung des CIL, insbesondere für die Klassifikation wichtig).

Nicholas Sims-Williams: The Iranian Languages. In: Giacalone Ramat (Hrsg.): The Indo-European Languages. Routledge, London/New York 1998, ISBN 0-415-06449-X.

Nicholas Sims-Williams (Hrsg.): Indo-Iranian Languages and Peoples. Oxford University Press, 2002, ISBN 0-19-726285-6.

Ernst Kausen: Die indogermanischen Sprachen. Von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-87548-612-4.

Speziell [Bearbeiten]

Rüdiger Schmitt: Considerations on the Name of the Black Sea. In: Hellas und der griechische Osten. Saarbrücken 1996, S. 219–224.

D. N. MacKenzie: Ērān, Ērānšahr. In: Encyclopædia Iranica. VIII, 1998, S. 534–535.

Karl F. Geldner: Avesta. The Sacred Books of the Parsis. I–III, Stuttgart 1886–1896.

Peter C. Backstrom: Wakhi. In: Languages of Northern Areas (of Pakistan). Islamabad 2002.

Daniel G. Hallberg: Pashto – Waneci – Ormuri. In: Sociolinguistic Survey of Northern Pakistan. Islamabad 2004.

Kendall D. Decker: Yidgha. In: Sociolinguistic Survey of Northern Pakistan. Vol 5, Islamabad 2004.

 

 

Einzelnachweise

1-↑ Lassen, Christian. 1936. Die Altpersischen Keilschrift von Persepolis. Entzifferung des Alphabets und Erklärung des Inhalts. Bonn: Weber. S. 182.

2-↑ Spiegel, Friedrich von. 1859. Avesta. Engelmann. P. vii.

3-↑ Lazard, Gilbert. 1977. Preface in: Oranskij, Iosif M. Les langues iraniennes. Traduit par Joyce Blau.

4-↑ Lazard, Gilbert. 1998. Actancy. Empirical approaches to language typology. Mouton de Gruyter. ISBN 3-11-015670-9, 9783110156706.

5-↑ Cust, Robert Needham. 1878. A sketch of the modern languages of the East Indies. London: Trübner.

6-↑ Schmitt, Rüdiger. 1994. Sprachzeugnisse alt- und mitteliranischer Sprachen in Afghanistan in: Indogermanica et Caucasica. Festschrift für Karl Horst Schmidt zum 65. Geburtstag. Bielmeier, Robert und Reinhard Stempel (Hrg.). De Gruyter. S. 168 - 196.

7-↑ Dani, Ahmad Hasan. 1989. History of northern areas of Pakistan. Historical studies (Pakistan) series. National Institute of Historical and Cultural Research. S. 45.

That is why we distinguish between the Aryan languages of Iran, or Irano-Aryan, and the Aryan languages of India, or Indo-Aryan. For the sake of brevity, Iranian is commonly used instead of Irano-Aryan ...

Zusätzliche Informationen